Dankesbrief 2011

Liebe Tanzaniafreunde, sehr verehrte Damen und Herren,

am 9.Dezember 1961, also vor 50 Jahren, hat Tanganjika die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erhalten. Dieses denkwürdige Jubiläum wird in einigen deutschen Großstädten wie z.B. auch in München begangen. Bei aller Dankbarkeit über eine friedliche Entwicklung des Landes und viele langjährige Beziehungen auf kirchlicher und politischer Ebene sind die Probleme des Landes in der Gegenwart und auch in Zukunft unübersehbar.

Großen Anstrengungen in Richtung Ausbildung und Qualifizierung von Tansaniern steht ein riesiger Mangel an Jobs gegenüber. Die Wirtschaft des Landes schrumpft eher als dass sie wächst. Ein wichtiger Grund hierfür liegt in der schlechten Energieversorgung mit Stromrationierungen durch Mangel an Wasser in den Stauseen.

Andererseits wird von internationaler Seite versucht, tansanischen Boden zur Produktion von Biokraftstoffen oder ähnlichem zu kaufen oder zu pachten. Gleichzeitig werden in den Börsen die Preise für Nahrungsmittel hochgetrieben. Sicher ist dieses kein spezifisches tansanisches Problem. Es betrifft viele Entwicklungsländer gleichermaßen.

Was bedeutet dies nun für unsere Anstrengungen mit MNT

Die beiden Krankenhäuser in Machame und Karatu sind nun als Distriktkrankenhäuser an Auflagen des Staates gebunden. Ein Großteil der Patienten müssen kostenlos behandelt werden, während der Staat die Löhne und die Medikamente übernimmt. Die verschlechterte wirtschaftliche Situation des Landes bedeutet aber in Zukunft, dass staatliche Leistungen erst verspätet oder auch nicht in vollem Umfang eintreffen. Was Medikamente und Verbandsstoffe betrifft, so wird eben nur das geliefert, was in der Zentralapotheke vorhanden ist. Dies wird, soweit jetzt schon erkennbar, nur gewisse Teile des Bedarfs abdecken.

Bei den Krankenhäusern verbleiben andererseits alle anderen Aufgaben wie Gebäude, Reparaturen, Gerätschaften, Autos etc. Zu allem Überfluss hatte die medizinische Versorgung im Norden Tansanias noch eine religiöse Herausforderung zu bestehen: Ein pensionierter lutherischer Pfarrer aus dem Süden Tansanias hatte sich ganz an der Grenze nach Kenia im Masailand bei Loliondo niedergelassen. Ihm sei in Träumen von Gott aufgetragen worden, den Menschen Heilung durch einen Trank und Gebet von all ihren chronischen Krankheiten anzubieten. Hierbei wurde auch die Heilung für AIDS beworben. Die Leute müssten nur zu ihm kommen. Die Heilung wäre kostenlos, die Medikamente könnten schon im Vorfeld weggelassen werden. Es setzte ein wahrer Ansturm auf den entlegenen Ort ein. Eine ganze Reihe von Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen starben bereits in einer langen Warteschlange auf dem Weg zu dem Heiler. Noch unabsehbar ist der Effekt auf die AIDS-Situation der behandelten Patienten, die ihre Behandlung für gewisse Zeit unterbrochen hatten. Selbst bei unseren Partnern der Norddiözese in Moshi trat diese tiefe Sehnsucht zum Vorschein, dass die Behandlung von Krankheiten eine geistliche Angelegenheit sei und so wurde tatsächlich ein Landrover für den Transport in den ca. 300 km entfernten Ort kostenpflichtig zur Verfügung gestellt. Mittlerweile ist diese Euphorie einer ziemlichen Ernüchterung gewichen. Der Heiler Babu soll sich mit unbekanntem Ziel abgesetzt haben.

Machame Hospital 2011

Wir freuen uns nach wie vor über stabile Verhältnisse in der Krankenhausleitung mit Chefarzt Dr. Saitore Laizer. Die Einführung der staatlichen Vorgaben wird wohl erst in 2012 erfolgen.

Wir haben auf Bitte des Krankenhauses eine neue Zahnstation für die Einrichtung einer Zahnärztlichen Abteilung geliefert. Diese ist heil im Machame Krankenhaus eingetroffen. Herr Matthias Herbolzheimer und sein Sohn Fredrik hatten im August alle Hände zu tun, um die technisch anspruchsvolle Einheit vor Ort installieren zu helfen. Eine solche Zahnstation war vom Staat als Voraussetzung für ein Distriktkrankenhaus gefordert worden.

Machame Zahnartz Fredrik Herbolzheimer

 

Eine besondere Freude ist auch das Eintreffen eines neuen Dieselgenerators aus USA. Dieses wertvolle Geschenk wurde von der Luth. Kirche in Nebraska/USA gespendet, die mit uns zusammen das Machame Krankenhaus unterstützt. Der alte Generator wurde noch in den 80 er Jahren von der Bayerischen Landeskirche nach Machame geliefert. Er hat über mehr als 20 Jahre in den Zeiten Strom geliefert, wenn das Stromnetz jeweils ausgefallen war. Dies kam in den Trockenzeiten annähernd täglich vor und betrifft jetzt aber auch die Regenzeiten. Der alte Generator war allerdings seit geraumer Zeit schon zur" Baustelle " geworden und musste dringend ersetzt werden.

 

Machame Generator

Karatu Hospital 2011

Neben Lieferung von wichtigen Medikamenten wurden sogar Verbandsstoffe und Nadeln für Wundnähte und Operationen bestellt. Dies zeigt die schlechter werdende Versorgungslage von Regierungsseite.

Karatu 11

 

Für die Wasserversorgung des Krankenhauses besteht leider immer noch keine Vernünftige Lösung. Offensichtlich kann die Kommunale Wasserleitung von Baschay wegen Wassermangels nicht mehr genügend Wasser liefern. Die Selbstversorgung des Krankenhauses über eine eigene Quelle rückt durch wiederholte Sabotageakte der Bevölkerung in immer weitere Ferne. Inzwischen wird über eine Bohrung im Krankenhausbereich nachgedacht.

Seit ca. 4 Monaten wissen wir, dass das Karatu Hospital seit über einem Jahr keine funktionierende Röntgenanlage mehr hat. Es werden nur noch notfallmäßige Aufnahmen mit einem sog. C-Bogen durchgeführt, der als notfallmäßigen Durchleuchtungsgeräten zum Einrichten von Knochenbrüchen konzipiert ist.

Röntgenröhre Karatu 9

 

Ob wir ein solches Projekt stemmen können? Angebote von Ärzten, die in den Ruhestand gehen und noch ein Röntgengerät besitzen liegen vor. Leider sind diese Geräte meist nicht für einen längerfristigen Einsatz in Ostafrika geeignet. Mit einer einfachen neuen Röntgenanlage wären wir mit mehr als 100.000,-- € dabei.

Dank

Liebe Tansaniafreunde, wir danken Ihnen, dass Sie uns im Jahr 2011 großzügig unterstützt haben und bitten Sie trotz oder gerade wegen der Schwierigkeiten in Tansania uns weiter die Stange zu halten.

Ihre

Dr. med. Fritz Seiler

Bayreuth Matthias Herbolzheimer

Dekanatsmissionsbeauftragter Dekanat Bayreuth

   
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