Dankesbreif 2005

 

Liebe Tansaniafreunde, sher verehrte Damen und Herren,

Das Jahr 2005 war für Tanzania einigermaßen turbulent und es ist ja nach wie vor noch nicht zu Ende. Da waren für den 30. Oktober 2005 Parlaments- und Präsidentschaftswahlen für das Festland und für Zanzibar festgesetzt worden. Der Präsident Mkapa durfte gemäß Verfassung nicht mehr als Kandidat antreten, doch die führende Partei CCM präsentierte mit dem noch amtierenden Außeninister Kikwete einen beliebten Kandidaten und nahm so der uneinigen Opposition zumindest auf dem Festland den Wind aus den Segeln. Auf Zanzibar zeigten sich schon im Wahlkampf erhebliche Spannungen zwischen der äußerst starken Oppositionspartei CUF und der Regierungspartei, deren Kandidat Karume auch wieder antrat. Auf zum Teil gewaltsamen Demonstrationen gab es Tote und Verletzte. Als ich mich mit meiner Familie im August für einige Tage in Zanzibar aufgehalten hatte, bekamen wir den Eindruck, daß bei einem erneuten Wahlsieg der Regierungspartei in Zanzibar ein Aufstand losbrechen würde. Denn das würde nach Ansicht der Leute Ergebnis eines Wahlbetrugs sein.

Als wenige Tage vor der Wahl ein Kandidat einer Oppositionspartei für den Vizepräsidenten für das Festland an seinen internistischen Leiden verstarb, wurde es auch für diesen stabileren Teil noch mal schwierig. Die Wahl mußte für das Festland bis kurz vor Weihnachten verschoben werden, was neben erheblichen Mehrkosten auch zunächst für Spannungen sorgte, bis erst mal begriffen wurde, daß es damit rechtmäßig zuging. In Zanzibar fanden die Wahlen wie geplant am 30. Oktober statt, und es gewann der vorherige Präsident Karume mit ca. 53 %, ohne daß es zu einem großen Aufstand kam, was sicher auch der Oppositionspartei und ihrem besonnenen Handeln zuzuschreiben ist.

Es bleibt also in Tanzania offensichtlich parteipolitisch über 2005 hinaus bei einem ähnlichen Kräfteverhältnis. Aus religiöser Sicht wird ein christlicher Päsident für Tanzania durch einen moslemischen ersetzt werden. Dies muß wegen der laizistischen Ausrichtung der Regierungspartei nicht zum Nachteil sein. Wollen wir hoffen, daß dadurch religiösen Spannungen im Land der Boden entzogen wird.
Insgesamt ist leider festzustellen, daß durch die Liberalisierungen im Land die kleinen Leute und Bauern immer mehr verarmen und eine immer größere Schicht an Reichen entsteht, die aus den neueren Entwicklungen wirtschaftlichen Nutzen ziehen konnte.
Die Norddiözese der Ev.Luth.Kirche in Tanzania, mit der wir partnerschaftlich verbunden sind, war früher vergleichsweise mit guten Einnahmen ihrer Christen gesegnet. Viele waren Kaffeebauern und konnten mit ihren landwirtschaftlichen Produkten gute Gewinne erzielen, bis der Kaffeepreis auf dem Weltmarkt einbrach und die Diözese finanziell in erhebliche Schwierigkeiten stürzte. Dazu kommen noch die finanziellen Schwierigkeiten der deutschen Partnerkirchen, die früher in Sachen Unterstützung immer eine Bank waren.

Als Bischof Martin Shao im Mai Neuendettelsau besuchte, machte er auf mich einen einigermaßen deprimierten Eindruck. Er berichtete über die zunehmende Belastung von Christen in den Gemeinden durch die verschiedenen Projekte der Diözese, die zu immer wiederkehrenden Geldsammlungen in den Gottesdiensten führten. Dazu gehört auch die Unterstützung von Missionsgebieten in Tanzania wie die Rukwa-Region im Süden. Solche Projekte waren in früheren Jahren gut durchzuführen, aber jetzt durch den finanziellen Einbruch ein Belastung. Er erwähnte dann die Gründung einer kirchlichen Bank in Moshi, die an Kleinbauern Kredite vergeben könnte, um sie wieder voranzubringen. Wie mir inzwischen berichtet wurde, soll die Bank schon ihre Tätigkeit aufgenommen haben. Es bleibt zu hoffen, daß diese kirchliche Bank überhaupt schwarze Zahlen schreiben wird und nicht bald in Insolvenz endet. Interessant war auch die eindringliche Bitte des Bischofs, einen Kaffeehandel mit den Kaffeebauern seiner Diözese zu fairen Preisen einzurichten. Nachdem im Sonntagsblatt kürzlich berichtet wurde, daß der bayerische Partnerschaftskaffee in Zukunft aus Südtanzania bezogen werden wird, bekommt diese Bitte auch eine gewisse Aktualität.

Karatu-Hospital

Karatu-Lutheran-Hospital 3

Seit August 2005 ist es nun spätestens amtlich, daß das Karatu Hospital zum Distrikkrankenhaus geworden ist. Damit ist es nicht verstaatlicht, weil der Aufsichtsrat im Vorsitz und in einer 6 : 4 Mehrheit kirchlich bleibt. Der Staat schießt bei den laufenden Kosten kräftig zu, ist allerdings bei seinen Zahlungen häufig säumig und damit bleibt Karatu zwischenzeitlichen Durststrecken ausgesetzt.
Karatu muß sich Regierungsvorgaben beugen und die meisten Patienten zum Nulltarif behandeln.
Der Norddiözese bleibt weiterhin die Last, Instrumente zu besorgen und das Krankenhausgebäude in Schuß zu halten. Karatu hat mittlerweile als Distriktkrankenhaus sogar AIDS-Medikamente, allerdings keine Labormöglichkeiten, um die Therapie zu begleiten. Insgesamt ist die Entwicklung für Karatu positiv, und wir müssen sehen, was die weitere Entwicklung bringt. Nach wie vor versorgen wir Karatu mit Medikamenten, die der Staat nicht liefern kann. Ein Sauerstoffkonzentrator und ein Anaesthesiegerät für den Operationssaal wurden im Jahr 2005 geliefert.
Dazu konnte Frau Goller als Kinderkrankenschwester aus Goldkronach ein T-Stück für Kinder-Anaesthesien Pfr.Hans Rösch nach Tanzania für Karatu mitgeben.
Noch für das laufende Jahr steht ein Ultraschallgerät für Karatu an, das mit 4000,-- € durch das Deutsche Institut für Ärztliche Mission in Tübingen und mit 2000,-- € aus dem Dekanat Altdorf (Frau Lydia Albrecht) und mit 2000,-- € von MNT finanziert wird.
Für das kommende Jahr braucht Karatu ein zweites Krankenhausfahrzeug für die stark gewachsene Beanspruchung außerhalb des Krankenhauses ( Dispensarybesuche, AIDS-Projekte etc.).Wir hoffen, daß von Tanzania aus ein preiswertes gebrauchtes Fahrzeug aus Japan für ca. 6,000,-- € zu importieren ist.

Machame Hospital


Nachdem der Leitende Arzt Dr.Swai zunehmend unter Amtsmüdigkeit litt, ist er schließlich auf eigenen Wunsch zum 30.09.2005 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden. Die Diözese hatte sich schon vorher einen geeigneten Nachfolger ausgeguckt und in dem Chirurgen Dr.Mark Mvungi gefunden. Dieser stammt aus den Parebergen, war längere Zeit in Kamerun/Westafrika tätig und hatte zum Schluß eine Stelle im KCMC in Moshi in der Urologie. Wir konnten schon mit Dr.Mvungi per Email Kontakt aufnehmen und haben einen guten Eindruck. Es gelang ihm auch, eine erheblich verspätete Medikamentensendung, die wir in Auftrag gegeben hatten, fast ohne Verzögerung aus dem tanzanischen Zoll des Flughafens auszulösen. Das war schon eine Meisterleistung.
Ansonsten dürfte sich im Machame Hospital zunächst nicht viel ändern. Ein Anbau an den OP-Trakt für orthopädische Operationen ist bereits in Bau und ein Orthopäde vom KCMC in Moshi hat schon angefangen, in Machame eine orthopädische Ambulanz anzubieten. Die Kontinuität ist gewährleistet, und wir hoffen, da
Machame Hospital 1ß von der Krankenhausführung jetzt mehr Einsatz erfolgt.
Im August konnte ich selbst das Machame Hospital besuchen und mich über den erfolgreichen Einbau einer von uns gelieferten neuen Röntgenröhre überzeugen. Dr. Parsalaw, der Rektor der Clinical Officer Schule in Machame, berichtete, daß sie gerne eine Ausbildungsstätte für AMO ( Assistant Medical Officers ) beantragen möchten. Dazu müßte aber eine größere Medizinische Bibliothek eingerichtet werden. Nun, da hat erst einmal die eindringliche Bitte des Finanzverwalters des Krankenhauses Vorrang, für nächstes Jahr einen neuen Pickup ( Klein-LKW) zu finanzieren, nachdem der alte mit ca. 15 Jahren Alter mehr in Reparatur als auf der Straße ist. Wir hoffen mit 5000,-- € einen gebrauchten aus Japan importiert zu bekommen.

Selbstverständlich werden wir in Karatu und in Machame weiter helfen, soweit uns die Mittel zur Verfügung stehen.

Wir danken Ihnen für all Ihre Spenden, die es uns ermöglicht haben, in Tanzania zu helfen.

Ihr

Dr.med.Fritz Seiler

   
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